- Akademische Technologie
Die Entwicklung der 60-minütigen Vorlesung: Im Gespräch mit dem Dartmouth College und dem Virginia Western Community College

Professoren entwickeln ihre Lehrmethoden und den Einsatz von Technologie weiter, um das Lernen ansprechender, flexibler und effektiver zu gestalten. In unserem neuesten Community Talks-Webinar untersuchen Adam Nemeroff, stellvertretender Leiter des Learning Lab am Dartmouth College, und Joe Bear, Leiter des Medienbereichs am Virginia Western Community College, wie sich die 60-minütige Vorlesung verändert hat, da Dozenten neue Technologien und Tools nutzen, um die Studierenden stärker einzubinden und die Lernergebnisse zu verbessern.
Vom „weisen Gelehrten auf der Bühne“ zum „Führer am Rande“
Mit der Einführung neuer Technologien an Schulen ist die traditionelle 60-minütige Vorlesung nicht mehr die einzige Option. Der Unterricht beschränkt sich nicht mehr nur auf Vorlesungen, sondern es finden vermehrt interaktive und kollaborative Aktivitäten statt. „Es hat sich grundlegend vom Modell des ‚Weisen auf der Bühne‘ hin zum ‚Lernbegleiter‘ entwickelt“, sagt Nemeroff.
Bear stimmt zu, dass die Technologie die Grenzen von Ort und Zeit aufgehoben und die traditionelle 60-minütige Vorlesung überflüssig gemacht hat. „Die Frage wird immer schwieriger zu beantworten: Wo ist diese Bühne, von der wir sprechen? … Wann findet der Unterricht statt?“, sagt er. Er weist darauf hin, dass die Bühne der Hörsaal sein kann, aber auch in der Cloud oder auf dem Mobilgerät eines Studierenden, wenn dieser unterwegs ist. Der Unterricht kann zur geplanten Zeit stattfinden oder wann immer ein Studierender bereit und in der Lage ist, mithilfe von bedarfsgerechten Zusatzmaterialien wie Videos, Texten und Podcasts zu lernen.
Mehr Barrierefreiheit durch universelles Design
Nemeroff beobachtet einen Wandel hin zu einem schülerzentrierten Lernen und größerer Barrierefreiheit. Viele Dozenten setzen sich mit universellem Design auseinander – der Idee, dass die Schaffung von Lernerfahrungen, die für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zugänglich sind, zu besseren Lernerfahrungen für alle führt.
Neue Technologien und die sich wandelnde Rolle der Lehrenden eröffnen Dozierenden vielfältige Möglichkeiten, Inhalte auf innovative Weise zu präsentieren und unterschiedliche Optionen für den Zugriff auf, das Lernen und die Wiederholung von Lernmaterialien anzubieten. Nemeroff beobachtet, dass Dozierende Medien zunehmend strategischer für Lehrmaterialien, die Einbindung der Studierenden und die Leistungsbeurteilung einsetzen.
„Die Leute denken über kurzfristige Möglichkeiten nach, ihre Herangehensweise an die neuen technologischen Möglichkeiten anzupassen“, sagt er. Er hebt hervor, wie viel einfacher es ist, Videoinhalte mit Funktionen wie einem webbasierten Editor, Kommentar- und Diskussionstools sowie Untertiteln zu erstellen. „All das macht es wirklich einfach, Medien zu erstellen, die sich gut für Studierende und deren Lernerfahrung eignen. Und ich denke, viele investieren verstärkt in diesen Bereich.“
An der Virginia Western University bietet Bear Dozenten vielfältige Möglichkeiten zur Inhaltsvermittlung – beispielsweise die drahtlose Übertragung auf mehrere Geräte. So können Studierende die Präsentation auf ihren eigenen Geräten öffnen, Screenshots erstellen und Folien kommentieren. Dies ermöglicht es auch sehbehinderten Studierenden, ihr Gerät näher heranzuhalten, um eine bessere Sicht zu erhalten, oder Studierenden, die mehr Zeit zum Verarbeiten der Informationen benötigen, diese in ihrem eigenen Tempo zu wiederholen.
Auch die Erwartungen der Studierenden verändern sich rasant. Sie erwarten zeitnahe, personalisierte und adaptive Inhalte, die mobil verfügbar sind und ihren individuellen Lernstilen und Bedürfnissen entsprechen. Angesichts der Popularität von YouTube und TikTok erwarten Studierende zudem von ihren Dozenten ansprechende und sorgfältig ausgewählte Videoinhalte. „Unsere Studierenden sind sehr versiert in der Content-Erstellung“, sagt Bear. „Sie erwarten von ihren Dozenten, dass sie sich in Sachen Lehre weiterentwickeln.“



