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Die Präsenzzeit im umgedrehten Klassenzimmer optimal nutzen

Für Einsteiger im Flipped Classroom kann es leicht passieren, dass man sich in den anfänglichen Herausforderungen der Planung und Erstellung von Unterrichtsmaterialien verliert und dabei den Nutzen dieser Vorarbeit aus den Augen verliert. Wenn Sie Ihren umgedrehten Klassenraum betreten, erwartet Sie ein Raum voller informierter Studierender, die bereit sind, sich gemeinsam mit Ihnen intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Dies ist wohl das Element des Flipped Classroom, das für den langfristigen Erfolg am wichtigsten ist. Bei gelungener Umsetzung wird sich die durch den Flipped Classroom geschaffene interaktive Unterrichtszeit durch eine verbesserte Beteiligung, Interaktion und Leistung der Studierenden auszahlen.

Doch die Umsetzung eines solchen schülerzentrierten Lernerlebnisses ist keine Selbstverständlichkeit. Genauso wie Dozenten sich auf die Bereitstellung von Vorlesungsmaterialien vorbereiten müssen, müssen Lehrende im Flipped Classroom planen, wie sie ihre neu strukturierte Präsenzzeit optimal nutzen können.

Je nach Thema und den individuellen Lernmethoden der Studierenden sind den Möglichkeiten, wie Dozenten ihre Unterrichtszeit im Flipped Classroom für maximale Interaktivität und optimales Lernen strukturieren können, nahezu keine Grenzen gesetzt.

Werfen wir einen Blick auf einige der gängigsten Formen des Flipped Classroom :

Das umgekehrte Klassenzimmer

Die Studierenden erhalten als „Hausaufgabe“ die Möglichkeit, Videovorlesungen anzusehen und alle für die nächste Unterrichtsstunde relevanten Materialien zu lesen. Während des Unterrichts üben die Studierenden das Gelernte anhand traditioneller Schulaufgaben, wodurch die Dozenten mehr Zeit für individuelle Betreuung haben.

Fallbasiertes Lernen

Die Studierenden bereiten sich vor dem Unterricht vor und werden zu Beginn der Stunde in Kleingruppen eingeteilt. Die Gruppen analysieren ein vorgegebenes Problem oder eine Aufgabe und erarbeiten eine Lösung oder einen Lösungsvorschlag. Die Lehrkräfte begleiten die Gruppen während des Unterrichts, regen sie zu Lösungsansätzen an und beantworten ihre Fragen.

Geführtes forschendes Lernen

Die Studierenden bereiten sich vor dem Unterricht auf die Inhalte vor. Die Aktivitäten im Unterricht sind sokratisch gestaltet und werden durch Fragen des Dozenten geleitet. Ziel ist es, die Studierenden anzuregen, Konzepte oder Informationen zu erforschen, Schlussfolgerungen zu ziehen und die Konzepte anzuwenden.

Teambasiertes Lernen

Die Studierenden bereiten sich vor dem Unterricht vor und werden zu Beginn der Vorlesung (entweder einzeln oder in Gruppen) zum Lerninhalt befragt. Sie erhalten direktes Feedback zu ihren Leistungen, und die Dozenten passen den Unterricht bei Bedarf mit kurzen Einführungen an, um Wissenslücken zu schließen. Abschließend werden die Studierenden in Gruppen für strukturierte Diskussionen oder Aktivitäten zum Vorlesungsinhalt zusammengestellt.

Diskussionsbasiertes Lernen

Die Lehrkräfte stellen Vorlesungsvideos sowie weitere Videos oder Texte zum jeweiligen Thema zur Verfügung, beispielsweise TED Talks, YouTube-Videos und andere Ressourcen. Die Unterrichtszeit wird anschließend für die Diskussion und Vertiefung des Themas genutzt. Dieser Ansatz ist besonders hilfreich in Fächern, in denen der Kontext entscheidend ist, wie Geschichte, Kunst oder Englisch.

Demonstrationsbasiertes Lernen

Fächer wie Chemie, Physik und Mathematik erfordern oft, dass Schülerinnen und Schüler sich Aufgaben präzise merken und wiederholen. In diesen Kursen ist eine Videodemonstration äußerst hilfreich, da man sie beliebig oft zurückspulen und ansehen kann. Bei diesem Demonstrationsmodell nutzt die Lehrkraft eine Bildschirmaufzeichnungssoftware, um die Aufgabe so zu demonstrieren, dass die Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Tempo folgen können.

Peer-Unterricht

Die Studierenden bereiten sich auf den Unterricht vor und teilen dem Dozenten einfach mit, was ihnen unklar oder schwergefallen ist. Der Unterricht besteht aus einer Mischung aus kurzen Vorträgen und Interaktionen mit den Studierenden, entweder im Plenum oder in kleineren Gruppen, je nach Thema. Beim Peer Instruction wird bewusst darauf verzichtet, dass die Studierenden sich melden, um Fragen zu beantworten. Stattdessen wird Wert darauf gelegt, dass die Studierenden Fragen offen diskutieren und gemeinsam Antworten erarbeiten, um ein besseres Verständnis zu erlangen.

Das vorgetäuschte Klassenzimmer

Dies ist eine hervorragende Idee für jüngere Schüler, für die Hausaufgaben im eigentlichen Sinne noch nicht angebracht sind. Im sogenannten „Flipped Classroom“-Modell schauen sich die Schüler im Unterricht ein Video der Vorlesung an und haben so die Möglichkeit, den Stoff in ihrem eigenen Tempo zu wiederholen. Die Lehrkraft geht von Schüler zu Schüler und bietet jedem einzelnen die individuelle Unterstützung, die er benötigt.

Das virtuelle Flipped Classroom

Für ältere Studierende und in manchen Kursen kann das Konzept des umgedrehten Unterrichts den Präsenzunterricht vollständig überflüssig machen. Einige Hochschulprofessoren stellen ihren Studierenden mittlerweile Vorlesungsvideos zur Verfügung, verteilen und sammeln Aufgaben über Online-Lernplattformen und verlangen lediglich, dass die Studierenden Sprechstunden oder andere regelmäßig stattfindende Termine für kurze Einzelgespräche besuchen, die auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Studierenden abgestimmt sind.

Den Lehrer umdrehen

Nicht alle Videos, die für ein Flipped Classroom-Konzept erstellt werden, müssen vom Lehrer präsentiert werden. Auch Schüler können Videos nutzen, um ihre Kompetenzen besser zu demonstrieren. Sie können beispielsweise Rollenspiele aufzeichnen, um ihre Fähigkeiten zu zeigen. Oder sie filmen sich selbst bei der Präsentation eines neuen Themas oder einer neuen Fertigkeit, um dem Lehrer etwas beizubringen. Diese Aufnahmen können dann im Unterricht besprochen werden.

 

Erfahren Sie mehr über das Flipped-Classroom-Konzept.

Der praktische Leitfaden für den umgedrehten Unterricht – eBookObwohl jedes Flipped-Classroom-Konzept etwas anders gestaltet ist, bleibt das Ziel stets dasselbe: interaktives, schülerzentriertes Lernen. Um dies zu erreichen, kann die Unterrichtszeit im Flipped Classroom vielfältig genutzt werden, beispielsweise für Kleingruppenarbeit, Diskussionen und Problemlösungsphasen, die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Lernstoff in der Gruppe, Präsentationen mit anschließendem Feedback der Schüler oder einfach Zeit für individuelle Aufgaben mit der Möglichkeit zur engeren Zusammenarbeit mit der Lehrkraft.

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